Die 78. Jahrestagung des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer (BDC) e. V. sorgte auch in diesem Jahr wieder für großes Interesse: Rund 130 Teilnehmende aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Schweiz und Polen informierten sich vom 17.-19. September 2026 in Krefeld über die neuesten Entwicklungen in der Pilzbranche. Eines wurde gleich zu Beginn deutlich: Bei allen Herausforderungen ist es notwendig, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und sichtbarer zu werden.
Starke Leistung gelobt
Die öffentliche Vortragsveranstaltung der Tagung startete gleich mit einem Lob der Präsidentin des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG): Eva Kähler-Theuerkauf betonte gleich zu Beginn ihrer Eröffnungsrede noch einmal die hervorragende Leistung und den starken Auftritt des BDC auf der Grünen Woche 2025: „Sie haben die Kulturpilzproduktion einem großen Publikum fachlich, modern und sympathisch präsentiert“, sagte sie. Genau diese Sichtbarkeit brauche der Gartenbau. Dies helfe auch dem ZVG bei seiner politischen Arbeit. Kähler-Theuerkauf machte klar, dass der ZVG zusammen mit dem BDC bereits vieles für die Pilzbranche erreicht habe. Aber es gebe auch weiterhin wichtige Punkte, wo Druck bei der Politik notwendig sei – etwa bei den Themen CO2, PPWR, Torf und bei der Saisonarbeit.
Planbarkeit und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen notwendig
Beim Thema CO2 habe sich die Hartnäckigkeit ausgezahlt, hob die ZVG-Präsidentin positiv hervor. Die rückwirkende Anerkennung der Pilzzucht bei der Kompensation der CO2-Kosten sei ein konkreter Erfolg der gemeinsamen Interessenvertretung. Vier Jahre Bearbeitungszeit und eine anschließende sehr kurze Antragsfrist seien jedoch nicht mit einer modernen Verwaltung vereinbar. Deshalb bleibe das Thema auf der Agenda, um den Betrieben mehr Planbarkeit und wettbewerbsfähige Energie- und CO₂-Rahmenbedingungen zu ermöglichen.
Bezüglich der europäischen Verpackungsverordnung PPWR habe der ZVG immer wieder deutlich gemacht, dass Verpackung vom Produkt her gedacht werden muss. „Und gerade das ist bei Champignons entscheidend“, sagte Kähler-Theuerkauf. Der BDC liefere mit seiner – beim Umweltministerium eingereichten – Verpackungsstudie Fakten aus der Produktion. Diese Informationen bringe man gemeinsam mit dem ZVG in politische Gespräche ein. „Am Ende darf eine Regelung nicht dazu führen, dass wir Verpackungsmaterial einsparen und dafür mehr Lebensmittel verlieren“, betonte die ZVG-Präsidentin. „Das wäre ökologisch wie ökonomisch die falsche Rechnung.“
Das Thema Torfminderung ist für Kähler-Theuerkauf weiterhin ein Thema, bei dem die Praxis stärker in die politischen Diskussionen einbezogen werden muss. Gerade bei den Deckerden sei dies von besonderer Bedeutung. Ersatzstoffe müssten immer und qualitativ hochwertig verfügbar sein. „Die Kultursicherheit muss gegeben sein“, sagte die ZVG-Präsidentin in Krefeld. Der „Runde Tisch Torfminderung“ sei ein wichtiges Ergebnis der Zusammenarbeit von BDC und ZVG. „Wir brauchen Forschung, Praxisversuche und Betriebe, die ihre Erfahrungen unmittelbar einbringen. Nur dann entstehen Lösungen, die am Ende auch funktionieren“, bekräftigte sie. Denn Torfminderung funktioniere nicht am Schreibtisch.
Die Saisonarbeit ist das vierte große Thema, das die Pilzbranche beschäftigt. „Und nachdem ich Ihre Produktion selbst gesehen habe, weiß ich noch genauer, was das für die Pilzbetriebe bedeutet“, berichtete die ZVG-Präsidentin. Der ZVG setze sich seit Langem für verlässliche und praxistaugliche Regelungen für Saisonarbeitskräfte ein. „Mit dem Picker-Gutachten haben wir eine belastbare Grundlage geschaffen“, erläuterte Kähler-Theuerkauf. Dieses zeige, dass rechtliche Spielräume für Sonderregelungen bestehen. Jetzt müsse daraus politisches Handeln werden. Mit dem Gutachten könne man konkret zeigen, dass es Möglichkeiten für eine Lösung gebe. „Der Mindestlohn ist eine faire Sache, wenn es funktioniert. Aber nicht, wenn es den Wettbewerb trifft und die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist“, bekräftigte sie.
Sichtbarkeit ist wichtig
Kähler-Theuerkauf empfahl den Pilz-Produzenten, ihre Betriebe zu öffnen und ihre Leistungen zu zeigen, am besten direkt auch Politiker und Politikerinnen einzuladen. „Wir brauchen die Gemeinsamkeit und informelle Gespräche“, betonte sie. Der Gartenbau werde gebraucht, unter anderem für hochwertige Lebensmittel, regionale Produktion und Arbeitsplätze. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass er von Anfang an mitgedacht und verlässlich einbezogen werde.
Zahlreiche fachliche Impulse
Nach den eindringlichen Worten der ZVG-Präsidentin konnten sich die Teilnehmenden über weitere zentrale Themen der Branche informieren und austauschen. So standen neben den Sitzungen von Vorstand, Beirat und Werbeausschuss die Fachbeiträge der Öffentlichen Vortragsveranstaltungen im Fokus. Michael Koch von der AMI Agrarmarkt Informations-GmbH beleuchtete die Situation am Markt für Pilze mit Schwerpunkt Champignon. Oskar Seitz von Infinite Roots – Mushlabs GmbH stellte die bereits am Markt erhältlichen Produkte aus Pilzmyzel vor. Ein Schwerpunkt der Tagung war das Thema „Wie werden künstliche Intelligenz und Automatisierung den Pilzzuchtbetrieb in Zukunft verändern?“ Dazu referierten Experten von GTL Europe Engineering BV, Christiaens Engineering & Development BV sowie 4AG Robotics. Sie stellten ihre aktuellen Entwicklungen und Lösungsansätze vor. Prof. Dr. Fritz-Gerald Schröder von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTWD) Dresden bot – wie bereits im vergangenen Jahr – eine unterhaltsame Begründung, warum Gemüse und insbesondere Pilze so wichtig sind – und warum sie in Deutschland nach wie vor ein Imageproblem haben.
Besichtigung der Willeke Champignon Handelsgesellschaft mbH
Den Abschluss der diesjährigen Jahrestagung bildete ein Besuch der Willeke Champignon Handelsgesellschaft mbH im niederrheinischen Wachtendonk-Wankum. Dort konnten die Teilnehmenden den modernen Betrieb mit den inzwischen 12 Produktionsräumen besichtigen, inklusive der im Neubau befindlichen Verpackungshalle und eines Kühlraums. Zudem konnten sich die Besucher über einige innovative Projekte informieren, unter anderem über eine biologische Kläranlage, mit der das gebrauchte Wasser zukünftig in die Niers abgeleitet werden soll, sowie über ein System, das zur Überwachung des Zuchtprozesses eingesetzt wird. Dieses beobachtet das Myzelwachstum und die Knospenbildung mithilfe von Kameras über den Beeten punktgenau. Neben der spannenden Betriebsbesichtigung sorgte das Unternehmen zudem für das leibliche Wohl der Gäste.
Nächste Jahrestagung 2027 bei Berlin
Die nächste Jahrestagung des BDC wird vom 23.-25. September 2027 bei Berlin stattfinden. Interessierte dürfen sich dann auf einen Besuch der Dohme Pilze-Gruppe im brandenburgischen Tietzow freuen.

