„Gute oder gar keine Pilze“ – Das Erfolgsrezept des Pilzbotschafters Peter Marseille

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Peter Marseille (71) aus Leichlingen hat in seinem Leben schon viele Medaillen erhalten. Alle für sein unermüdliches Engagement rund um Pilze und ihre Kultur. Am Ende der diesjährigen BUGA in Mannheim werden es mindestens zwölf mehr sein. Im Interview mit dem BDC verrät der ehrenamtlich tätige Pilzbotschafter, warum er seine Medaillen nicht zählt und warum ihn Pilze so faszinieren.

BDC: Herr Marseille, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg auf der BUGA in Mannheim. Wie viele Medaillen haben Sie eigentlich in Ihrem Leben schon für Ihr Engagement rund um die Pilze erhalten?

Peter Marseille: (lacht) Hab‘ ich noch gar nicht gezählt! Die ersten habe ich auf der BUGA 2011 in Koblenz bekommen, acht Goldmedaillen, 2 Silbermedaillen, eine Bronzemedaille und eine Große Goldmedaille. Ich hatte damals zwei Hochseecontainer zur Verfügung, einen für Champignons und einen für Edelpilze. Meine Frau hat gekocht. Die Nachfrage war so groß, dass wir statt 30 letztlich 100 Kilogramm zubereitet haben. Von da an war ich alle zwei Jahre dabei und habe Auszeichnungen erhalten.

BDC: Wofür wurden Sie in aktuell Mannheim ausgezeichnet?

P. M.: Für das delikat aussehende Pilzsortiment und die Vielfalt der essbaren Kulturpilze habe ich die Große Goldmedaille der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft erhalten. Die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen hat mir den Ehrenpreis für die fachliche Expertise in der Kultivierung europäischer und asiatischer Pilzarten verliehen. Dazu kommen noch neun Gold- und eine Silbermedaille.

BDC: Streben Sie weitere Medaillen an?

P. M.: Nein, ich strebe das nicht an. Mir macht es Spaß, anderen Menschen etwas beizubringen. Ich habe Spaß daran, über die vielen verschiedenen Pilze und ihre Kultur zu erzählen. Es ist mir wichtig, dass die Bedingungen vor Ort stimmen, um Pilze in guter Qualität zeigen zu können – und das für die gesamte Dauer einer Schau. Meine Devise lautet „gute oder gar keine Pilze“. Das war nicht immer einfach zu realisieren, hat aber letztlich funktioniert.

BDC: Als Pilzbotschafter sind Sie inzwischen weit bekannt. Welche Botschaft über Pilze interessiert die Menschen am meisten?

P. M.: Eigentlich alles. Das Wissen über Pilze ist generell nicht sehr groß. Wichtige Themen sind immer wieder die gesundheitlichen Aspekte und die Zubereitung der Pilze. Gerade auch im Hinblick auf eine vegane oder vegetarische Ernährung.

BDC: Sie sind als Referent für Vorträge und als Interviewpartner sehr gefragt. Was ist ihr Geheimrezept?

Ich versuche, alles immer so anschaulich wie möglich zu erklären. Dazu vergleiche ich die Pilze gerne mit den Menschen. Was machen zum Beispiel Menschen, die dicht zusammenstehen? Sie recken sich nach oben, um Sauerstoff zu bekommen. Genauso machen es die Pilze. Sie machen ihre Hüte auf. Das heißt nicht, dass die Pilze dann schlecht sind. Wenn ich es so erkläre, ist die Chance am größten, dass sich die meisten Menschen das merken.

BDC: Sie sind inzwischen im Ruhestand, haben die Leichlinger Champignonzucht an Ihren Sohn abgegeben. Wie ruhig ist es aktuell?

P. M.: Nicht sehr ruhig. Mein Sohn hat den Betrieb übernommen, aber ich bin jeden Tag hier. Ich freue mich, wenn ich über Pilze reden kann. Das mache ich unter anderem in den vielen Vorträgen auf der BUGA, oder bei den Führungen hier im Betrieb. Dazu kommen Interviews mit Journalisten von Zeitschriften und Fernsehsendern, wie beispielsweise dem WDR. Jedes Jahr haben wir etwa 2-3 Fernsehteams im Betrieb. Und einmal in der Woche, mittwochs, bin ich auf dem Wochenmarkt.

BDC: Was fasziniert Sie persönlich am meisten an den Pilzen?

P. M.: Ihr Potenzial in vielerlei Hinsicht. Die gesundheitlichen Aspekte sind faszinierend, zum Beispiel ihr Gehalt an Antibiotika oder Östrogenen, oder ihr Einsatz bei Krebskrankheiten. Auch die Fähigkeit, den Boden zu regenerieren, ist bemerkenswert. Und ihr schnelles Wachstum.

BDC: Haben Sie als Pilzbotschafter noch eine Botschaft für die Produzenten?

P. M.: Ja, man sollte sich mehr zusammenraufen. Das ist nicht leicht, aber ein Preiskampf ist das Schlimmste. Es geht darum, dass deutsche Pilze beim LEH besser bewertet werden. Das ist hart, die Lohn- und die Energiekosten sind immens. Aber es ist zu bewältigen, wenn man mehr miteinander redet.

BDC: Herr Marseille, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute.

Das Gespräch führte Heike Stommel für den BDC.

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