Deutsche Obstbauern machen mit Brandbrief auf dramatische Lage in Betrieben aufmerksam

Fortführen oder aufgeben? Diese existenzielle Frage müssen sich nach Information der deutschen Obstbauern immer mehr Familienbetriebe stellen. Mit ihrem Brandbrief vom Juli 2026 machen sie auf ihre aktuelle prekäre Lage aufmerksam. Grund dafür sei die zunehmend dramatische wirtschaftliche Situation vieler Betriebe aufgrund immer schwieriger werdender Rahmenbedingungen.

„Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“ – Diese einfache wie unbequeme Frage stellen die deutschen Obstbauern gleichermaßen an Politik, Handel und Verbraucher. Wenn die Antwort „Ja“ laute, müsse sich dieses auch endlich im Handeln widerspiegeln, fordern die Bundesfachgruppe Obstbau und die Landesverbände. Denn die Folgen der immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen seien dramatisch: „In Deutschland verschwindet mittlerweile etwa alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb“.

Ursachen für diese dramatische Entwicklung seien zum einen massiv steigende Produktionskosten und Löhne sowie Billigimporte, die hierzulande den Markt überschwemmten. So blieben etwa hochwertige Süßkirschen auf deutschen Obsthöfen am Baum hängen, weil Billigimporte den Markt überschwemmten. Zwetschgen und Heidelbeeren würden unter den Produktionskosten gehandelt und immer mehr Betriebe fragten sich, ob sich die Ernte überhaupt noch lohnt. „Wer heute einen Obstbaubetrieb führt, muss längst nicht mehr nur mit Wetterextremen umgehen können, sondern auch mit politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die immer häufiger gegen ihn arbeiten“, fassen die Absender des Briefes die Situation zusammen.

Rahmenbedingungen nachhaltig verbessern

In ihrem Schreiben an die Mitglieder des Deutschen Bundestages fordern die deutschen Obstbauern, die Rahmenbedingungen für den heimischen Obstbau nachhaltig zu verbessern. Der Zugang zu Erntehelfern aus Drittstaaten sowie ein angemessener Abschlag vom gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte seien wichtig für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die deutschen Obstbauern distanzieren sich strikt von der Forderung der AfD-Fraktion, Saisonbeschäftigte mit gewöhnlichem Aufenthalt und Lebensmittelpunkt im Ausland bei einer Tätigkeit in landwirtschaftlichen Sonderkulturbetrieben aus dem Anwendungsbereich des Mindestlohngesetzes herauszunehmen. Vielmehr sollten diese wie alle Beschäftigten in Deutschland vom Mindestlohngesetz erfasst sein. Die deutschen Obstbauern wollen, dass für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft – und damit auch im Obstbau –, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Lebensmittelpunkt ein Mindestlohnabschlag in Höhe von 20 % im Mindestlohngesetz normiert wird. Dabei müsse der Mindestlohn für diese in jedem Fall bei mindestens 13,90 € brutto je Zeitstunde liegen. Diese Abschlagsregelung greife demnach ab dem 1. Januar 2027, wenn der reguläre Mindestlohn auf 14,60 € brutto je Zeitstunde steigt.

Bewusste Entscheidung für heimisches Obst gefordert

Deutsche Obstbaubetriebe investieren seit Jahren in Biodiversität, Wasser- und Klimaschutz sowie in moderne und ressourcenschonende Produktionsverfahren, informiert der Brandbrief. Sie produzierten unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards, sichern Arbeitsplätze, erhalten Kulturlandschaften und sorgen für kurze Transportwege und regionale Wertschöpfung.

Daher fordern die deutschen Obstbauern: „Wer heimisches Obst will, muss auch bereit sein, heimische Produktion zu ermöglichen.“ Dabei gehe es längst nicht mehr nur um die Obstbauern. Es gehe um die Frage, wie wir uns künftig ernähren wollen. „Wollen wir regionale Lebensmittelproduktion erhalten oder machen wir uns immer stärker von Importen abhängig?“. Die Obstbaubetriebe seien bereit, ihren Beitrag zu leisten, wie sie es bereits seit Generationen machten. Was sie nicht könnten, sei dauerhaft gegen politische Fehlentwicklungen, ständig steigende Kosten und einen ruinösen Wettbewerb anzuproduzieren.

Großes mediales Interesse

Mehrere Medien griffen den Brandbrief der deutschen Obstbauern in ihrer Berichterstattung auf, unter anderem die Tagesschau in der ARD, NDR, WDR, SWR, RTL West sowie verschiedene regionale Nachrichtenformate. Gespräche mit den Politikern würden aktuell noch geführt, berichteten die Vertreter der Fachgruppe Obstbau.

Weitere Informationen:

– Bundesfachgruppe Obstbau im Bundesauschuss Obst und Gemüse vom Juli 2026: „BRANDBRIEF ­ Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“ https://www.obstbau.org/files/download-dokumente/oeffentlichkeitsarbeit/brandbrief_fachgruppe_obstbau_juli_2026.pdf

– NDR-Bericht in der Nachrichtensendung „Tagesschau“ vom 07.08.2026: „Kirschen bleiben am Baum: Hat regionales Obst im Alten Land eine Zukunft?“

https://www.tagesschau.de/inland/regional/niedersachsen/landwirte-in-sorge-hat-regionales-obst-im-alten-land-eine-zukunft,obst-168.html

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